Am 19.08.2018 war der große Tag gekommen. Nach unserer dreieinhalbjährigen Weltreise sind wir das erste Mal zurück nach Deutschland gereist.

Der Flug

Angefangen hat das Abenteuer damit, dass wir sechs Tage vor Abflug eine E-Mail erhalten haben. Unser Flug wurde mit einem kurzen Satz annuliert. Wir wussten nicht warum und erhielten auch keine anderen Auskünfte. Die Airline werden wir hier nicht nennen, es soll ja kein Hetzbeitrag werden. Wir befanden uns zu der Zeit noch in Sri Lanka in einem abgelegenen Bergdorf. Aber zum Glück beinhaltete unsere Sri Lankanische Simkarte von Dialog günstige Anrufe ins Ausland. Das ganze hat sich sehr lange hin gezogen und nach drei weiteren Tagen und 18 Anrufen wurde unser Flug endlich umgebucht. Von Sri Lanka aus kommt man nicht auf direktem Wege nach Deutschland. Anstatt unseres alten Fluges, welcher einen Umstieg und 13 Stunden Flugzeit beinhaltete, wurde uns ein neuer Flug mit 19 Stunden Flugzeit gegeben. Das Problem war, dass wir bei diesem Flug zwei mal umsteigen mussten und jeweils 6 Stunden Aufenthalt hatten. Zudem ging es auch um 1 Uhr morgens ins Colombo, Sri Lanka los. Somit stand uns ein ziemlich schrecklicher Flug bevor oder besser gesagt drei Flüge.

Nach 27 Stunden Reisezeit und vielen Reisetabletten später landeten wir um 22 Uhr in Frankfurt. Es war natürlich schon wieder dunkel und wir fühlten uns wie umherwandelnde Zombies.

Die Ankunft in Deutschland

Für die ersten zwei Tage haben wir uns ein nettes Hotel* am Frankfurter Hauptbahnhof gebucht. Dort konnten wir uns in Ruhe ausschlafen und erst einmal sammeln. Der erste Eindruck von Deutschland war gegen unsere Erwartungen recht positiv! Natürlich haben wir uns die beste Jahreszeit zum zurückkommen ausgesucht. Aber schon das Frühstück hat uns alle Sorgen vergessen lassen. Endlich wieder deutsche Brötchen und Brot!

Eins unserer unerwarteten Probleme war, dass wir viele deutsche Sätze regelrecht vergessen haben. Untereinander auf Reisen reden wir natürlich immer deutsch, aber da bestellen wir ja auch keine Brötchen. Wir kamen uns also ziemlich verloren vor, als der Kassierer fragte, ob es noch etwas sein darf. Wir hatten keine bessere Antwort darauf parat als „Ähm no, ich meine nein, sorry, Dankeschön“.

So erging es uns die darauf folgenden Tage noch einige Male. Zum Beispiel als wir eine junge Frau unseres Alters auf der Straße nach dem Weg zum Supermarkt fragten. Wir: „Hi, wir suchen den Rewe, kannst du uns bitte den Weg zeigen?“ Sie antwortete darauf „Kein Problem, Sie müssen einfach nur dort rechts um die Ecke gehen“. Wir kamen mit all den Situationen nicht mehr ganz klar und es war uns auch recht peinlich. Uns persönlich gefällt es, dass es im Englischen kein „Du“ und „Sie“ gibt. Das macht vieles einfacher und persönlicher. Vor allem Jüngere oder Gleichaltrige würden wir doch immer mit „Du“ ansprechen und nicht mit „Sie“.

Wir fühlten uns regelrecht wie Touristen im eigenen Land. Vor allem, als wir die erste Altstadt besichtigt haben, ertapten wir uns mit unserer Kamera neben einer Gruppe Touristen. Es war ein schönes Gefühl ausländische Sprachen um uns zu hören.

„So here you are,

too foreign for home

too foreign for here.

never enough for both.“

Erster Stop: Berlin

Der erste Stop unseres Heimaturlaubes war Berlin. Dort besuchten wir Tobi’s Mutter und Schwester. Angereist sind wir ganz bequem mit dem ICE. In Berlin fühlten wir uns auf Anhieb wohl. Wir beide waren auch noch nie wirklich richtig in Berlin unterwegs gewesen. Somit konnten wir unsere Rolle als Backpacker so richtig nachgehen.

Das Wiedersehen mit Eltern und Freunden war wundervoll. Wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt und hatten natürlich viel zu erzählen. Natürlich kann man nicht mal gerade alle Erlebnisse einer dreieinhalbjährigen Weltreise erzählen. Aber generell haben wir gemerkt, dass wir uns durch die Reise sehr verändert haben. In Deutschland ist weitesgehend alles beim alten geblieben. Am meisten haben wir natürlich auch die deutschen Köstlichkeiten genossen! Uns ist außerdem aufgefallen, dass es diese wunderschönen Eisbecher nur in Deutschland gibt. Oder zumindestens nicht in Australien oder Neuseeland. Dort gibt es wirklich nur Eiskugeln auf die Hand.

Die Tage in Berlin verbrachten wir mit Sightseeing und Unternehmungen mit Freunden und Familie. Aber nach einer Woche war dann auch schon wieder der Abschied angesagt. Es ist nicht einfach nach dreieinhalb Jahren wieder zurück nach Hause zu kommen und sich dann für ein weiteres Jahr zu verabschieden. Immerhin haben wir das Verabschieden auf unseren Reisen ganz gut gelernt. Nur halt von neuen Bekanntschaften.

Zweiter Stop: Weserbergland

Von Berlin aus haben wir uns einen Mietwagen für die nächsten Wochen gemietet. Denn damit kommt man viel einfacher und schneller von A nach B, als für jede Fahrt ein Zugticket zu besorgen. Vor allem muss man diese mehrere Wochen im Vorraus reservieren, um einen günstigen Preis zu bekommen. Wir lieben das Reisen im Auto sowieso und waren mit dem kleinen Flitzer sehr zufrieden.

Unsere erste Fahrt führte uns nun ins rund 320 Kilometer weit entfernte Weserbergland, welches nahe Hannover liegt. Die ersten Kilometer waren nicht einfach, denn wir waren das Fahren auf der rechten Straßenseite gar nicht mehr gewohnt. 😀 Zudem stiegen wir ständig auf der falschen Seite des Wagens ein. Aber nach ein paar Tagen haben wir uns an all das schon wieder gewöhnt gehabt.

Nun kommen wir auch zu einer weiteren Erkenntnis, welche wir auf unserer Reise durch Deutschland fest stellen mussten. Es gibt so gut wie keine öffentlichen Toiletten! In kaum einem anderen Land ist es so schwierig eine Toilette zu finden. Immerhin auf der Autobahn findet man öfter mal eine. Am schwierigsten fanden wir die Situation in den Städten, wie zum Beispiel in Berlin. Dort mussten wir teilweise Rekordpreise von 1€ pro Person zahlen! In Einkaufszentren waren wir uns meistens auch nicht sicher, ob es eine Pflicht ist, den Reinigungskräften eine „Spende“ von 0,50€ zu entrichten. So etwas waren wir von unseren Reisen in anderen westlichen Ländern nicht mehr gewohnt.

Wir hatten während unseres Monats in Deutschland richtig Glück mit dem Wetter und konnten so schöne Unternehmungen machen.

Das Schönste für Imke war es wieder auf ihrem (Reitbeteiligung)-Pony ausreiten zu können!

Dritter Stop: Koblenz

Unser dritter Stop führte uns in Tobi’s Heimat, welche nahe Koblenz liegt. Hier verbrachten wir eine erlebnisreiche Woche bei seinen Großeltern. Auf unserer Fahrt in den Westen Deutschlands sind uns vor allem die Weinberge und vielen Burgen aufgefallen. In Berlin war die Landschaft sehr flach, aber im Weserbergland wurde es dann schon hügeliger. Dies zog sich bis Koblenz durch und wurde von großen Waldflächen begleitet. Lediglich die Fahrt durch das Ruhrgebiet war dicht besiedelt und wir verbrachten etwas extra Zeit in Staus auf der Autobahn. Außerdem fanden wir die zahlreichen Häuser und Gebäude in Deutschland sehr interessant. Teilweise sahen wir viele Fachwerkhäuse und dann wieder typische Bauernhäuser, welche aus dicken Steinen gebaut wurden. So etwas waren wir erst recht nicht mehr gewohnt, denn in Australien findet man kaum ein Haus welches älter als 30 Jahre ist.

Unser Highlight im Raum Koblenz war die Burg Eltz. Eine noch vollständig erhaltene Burg aus dem 12. Jahrhundert. Hier nahmen wir an einer Führung durch die verschiedenen Räume der Burg teil und bestaunten die volle Schatzkammer. Tobi kennt die Burg noch von seiner Kindergartenzeit. Damals war sie noch nicht so bekannt, aber durch das Internet ist sie nun zu einem Instagram-Spot geworden.

Desweiteren besuchten wir das deutsche Eck in Koblenz und genossen es, an Rhein und Mosel entlang zu schlendern.

Auch diese Woche verging wieder wie im Flug und nun hieß es wieder Abschied nehmen.

Von Koblenz aus, führte uns die nächste Reise wieder raus aus Deutschland, nämlich in die Schweiz! Was wir dort so erlebt haben, erfahrt ihr in einem seperaten Beitrag. Denn eins können wir vorab sagen,  man muss nicht immer weit weg reisen um Erstaunliches zu finden.

Fazit

Zum Abschluss kommt hier noch unser Fazit. Anfangs waren wir etwas skeptisch, was wir von unserer Rückkehr nach Deutschland erwarten sollen. Auf unserer Reise haben wir verschiedenste Meinungen zu Deutschland gehört, nicht alle diese Meinungen kamen von Deutschen selbst. Deutschland ist als Industrieland bekannt für qualitativ hochwertige Produkte. Viele Asiaten schwärmten vor uns über die tollen Autos, welche aus unserem Land stammen. Natürlich gibt es auch gutes Bier, Bratwurst und leckeres Brot. Teilweise hört man aber auch negative Vorurteile, beispielweise über die Pünktlichkeit und Genauigkeit der Deutschen. Das Wetter ist natürlich auch immer ein Gesprächsthema.

Letztendlich haben wir eine sehr schöne Zeit gehabt und auch unsere persönlichen Vorurteile wurden teils schnell vergessen. Wir hatten wundervolles, spätsommerliches Wetter, welches besser war, als wir es in den letzten zwei Monaten in Asien erlebt haben. Die Leute waren recht zurückhaltend, aber meist doch freundlich, wenn man sie angesprochen hat. Das waren wir so aus Australien und Neuseeland nicht mehr gewohnt. Vor allem in Asien wurden wir auf der Straße sehr oft angelächelt oder angesprochen.

Gelassenheit ist hingegen ein Fremdwort in Deutschland, wir haben viele gestresste Leute gesehen. Außerdem wird sich natürlich über vieles aufgeregt, wie zum Beispiel über den verspäteten Zug oder den lauten MP-3 Players eines Passagieres neben an. Wir haben gemerkt, dass wir deutlich entspannter sind als früher. Wir machen uns nicht mehr über alle so viele Gedanken, es kommt ja sowieso immer anders.

Am Ende haben wir uns gewünscht, noch ein paar Tage länger bleiben zu können, denn die Zeit mit Freunden und Familie war sehr knapp. Persönlich haben wir uns natürlich auch stark verändert. Anstatt einer Jeans tragen wir gerne eine lockere Hippie-Hose oder Boardshorts und anstatt der  Armbanduhr farbenfrohe Armbänder mit Muscheln. Die Zeit in Deutschland scheint auch etwas stehen geblieben zu sein, denn vieles ist noch genau so, wie wir es verlassen haben. Unsere Lebensart hat sich komplett verändert. Tobi hat das Surfen für sich entdeckt und Imke schwärmt von den Korallenriffen Asiens. Wir können uns nur schwer vorstellen jetzt in Deutschland auf Jobsuche zu gehen und uns einen festen Wohnort zu suchen. Insgeheim sind wir dann doch froh, schon einen Flug ins nächste Abenteuer gebucht zu haben. Denn genug haben wir noch lange nicht, auch wenn uns die Realität eines Tages noch einholen wird.

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